Handel, Handwerk & Gewerbeverein Kropp

Herbstgespräche

„Forget me not.“ So steht es auf einem Porzellanteller, den Andreas Peters vor 180 Zuschauern im Autohaus Thomsen hoch hält. Er lag auf dem Meeresgrund, ehe der 44-jährige Dithmarscher ihn aus dem Wrack der „Cimbria“ holte, die 1883 vor Borkum gesunken war und 437 Menschen – meist Auswanderer – in den Tod gerissen hatte. Von der „deutschen Titanic“ und der Schatzsuche in der Nordsee erzählte der Wracktaucher bei den 17. Kropper Herbstgesprächen von Handel-, Handwerk- und Gewerbeverein (HHG) sowie Regionalmarketing .

Bevor der Nautiker dem Moderator Carsten Kock Rede und Antwort stand, wurde Kock selbst von Autohaus-Geschäftsführer und HHG-Vorsitzendem Carsten Saß zum Gewinn des Deutschen Radiopreises für die Sendung „Politik am Sonntag“ bei Radio Schleswig-Holstein befragt. Dabei liefen Szenen der Verleihung auf einer Leinwand. Zwischen Muscheln und Tauchanzug gehörte die Bühne dann Wracktaucher Andi Peters.

Starke Strömungen, schlechte Sicht, unruhige See: „Die Nordsee ist eines der gefährlichsten Gewässer der Welt“, sagte er. Über 50 000 Wracks lägen dort, 4000 davon in der Deutschen Bucht. Zwar seien gesunkene Schiffe als Kreuz in Seekarten verzeichnet, doch oft scannen die Taucher tagelang den Meeresgrund, ehe sie fündig werden. Mit an Bord ist ein Küstenarchäologe und alle Funde werden dokumentiert – auch für das Fernsehen, wo „Die Wracktaucher“ bei DMAX zu sehen sind.

Tauchen in der Nordsee sei anstrengend. Sportlich und körperlich belastbar müsse man sein, einen stabilen Magen und gute Nerven haben. 120 Kilometer vor der Küste könne man bei Problemen nicht rechts ranfahren. „Wenn du Angst hast, hast du da draußen nichts verloren“, betonte Peters. Respekt dagegen habe er – vor den Toten. „Wir pflücken nichts auseinander“, sagte er. Auf die Frage, ob ihm schon mal ein Schädel entgegen gekommen sei, antwortete er: „In 20 Jahren und über 5000 Tauchgängen habe ich noch nicht einen Knochen gefunden.“

Wracktauchen sei seine Leidenschaft und er versuche, davon zu leben – auch mithilfe von Sponsoren. Selbst wenn der größte Schatz für ihn die Geschichte der Schiffe sei, suche er nach dem Dutzend Wracks, die eine größere Ladung an Gold und Schmuck an Bord hatten. Eines davon heißt „Maria“ und ist vor 200 Jahren bei Helgoland gesunken – mit 1,5 Tonnen Gold an Bord. „Der Marktwert wäre zurzeit 63 Millionen Euro“, so Andi Peters. Schon fragte Carsten Kock, ob er bei ihm anheuern könne – er durfte.

Mit „Fischer Kai“ vom Lüdemann-Theater blieb das Programm maritim. Er holte eine Puppe aus seiner Seemannskiste – als Ersatz für seinen in Rente gegangenen Fischerfreund Jürgen – und stellte Filme mit ihm dar. Wer den Titel erriet, bekam „Fisherman’s Friend“.

Dank VHS-Kursus zum Deeskalations-Fachmann mutiert, erklärte er zudem das Problem von Männern: „Die trauen sich nicht, Gefühle auf den Tisch zu legen.“ Das Klischee wurde sogleich vom CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hein im Publikum bestätigt. Auf Nachfrage, wie er sich fühle, sagte er: „Toll.“ „Das ist kein Gefühl“, so Fischer Kai. Aber es war die passende Beschreibung für den Abend, an dem zudem eine Spende über 1000 Euro an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche überreicht wurde.

(Bericht vom 18.11.2017 aus den Schleswiger Nachrichten)